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Dem hohen Anspruch nicht immer gerecht geworden
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Alle meine Rezensionen ansehen (REAL NAME) Rezension bezieht sich auf: Bücher: Alles, was man lesen muss (Gebundene Ausgabe) Im Vorwort wurde das Ziel „ein Buch über Texte, die Spuren in der westlichen Kultur hinterlassen haben" postuliert. Nun gut, über die Auswahl gerade der Beispiele aus dem 20. Jahrhundert lässt sich trefflich streiten. Welche konkreten Spuren dabei von „Donald Duck" rühren, kann ich persönlich zwar im Kontext der Gesamtliste nicht nachvollziehen, aber das ist bei jedem Leser sicherlich mit dem eigenen Erleben verbunden und sollte auch nicht als Kritik aufgefasst werden. Aber das unterschiedliche Niveau in der Sachlichkeit, Objektivität und Ausgewogenheit der Darstellung einzelner Werke und Autoren verdient einige Kritik. Diese Einschränkungen finden sich immer dort, wo die Autorin ihr eigentliches Ziel, einen „Kompass" für die Orientierung am Büchermarkt anzubieten, vergisst und sich in stark emotional gefärbten pädagogischen und ökonomischen Kommentaren versucht. Einer der Widersacher der Autorin scheint dabei Jean-Jacques Rousseau zu sein. Da er nun einmal o.g. Spuren hinterlassen hat, musste er wohl oder übel in die Liste aufgenommen werden. Und das zu Recht! Aber leider erhält der Leser keinen ersten inhaltlichen Einblick, der Lust machen könnte auf weitere Lektüre, sondern eine Einschätzung der Autorin zur Person Jean-Jacques Rousseau. Und diese Meinung basiert leider auf oberflächlichen Interpretationen und Vorurteilen. Um mit diesen aufzuräumen, möchte ich dazu u.a. auf das Buch „Rousseau" von Jean Starobinski verweisen. Kleinere Ausrutscher dieser Art dürften wohl auch sein, dass Marx sich im Kapital „geirrt" hat und sich das Verschenken von „Alice im Wunderland" als „Flop" herausstellen würde. Das die Lektüre von „Das Andere Geschlecht" nichts mehr zum „alltäglichen Selbstverständnis" der Frauen des 21. Jahrhunderts beizutragen hat, führt die Autorin bei der Würdigung der besonderen Lebensumstände der schriftstellerischen Leistung von Virginia Woolf selbst ad absurdum. Das Selbstverständnis der Frauen sollte nach „Das Andere Geschlecht" doch gerade darin gefestigt sein, dass ihre Leistungen an sich gleichberechtigt bestehen und nicht erst durch die Abgrenzung oder besondere Hervorhebung gegenüber den Leistungen von Männern. Darin liegt eventuell auch der Konflikt der Autorin mit Jean-Jacques Rousseau begründet. So ist zum Beispiel die Bemerkung: „Wie hätte er in Ruhe schreiben können, wenn Kinder durchs Haus lärmen" völlig deplaziert, weil sie sowohl die biographischen Tatsachen als auch die konkreten historischen Rahmenbedingungen außer Acht lässt. Nebenbei, hat sich die Autorin diese Frage jemals selbst gestellt? Deshalb möchte ich die o.g. Literaturempfehlung noch durch „Die Frauen und Rousseau" von Frau Heide von Felden ergänzen. Schade, dass ein Buch mit diesem selbst so hoch gesetzten Anspruch stellenweise derartig abgleitet.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 17. April 2002 | | |
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